Bucharest (Rumänien)

(Karte)

Bucharest empfing uns Samstags mit einem riesigen, nicht endenden Stau, der sich zwischen uns und dem vormals so praktisch angedachten Hotel tief im Herzen der Stadt schob. Was wir nicht wußten, das wir genau zur 555 Jahr Feier der Stadt anreisten. Breite, noch für diktatorische Belange angelegte Straßen spülten unendliche Autokolonnen periodisch vorwärts. Nervöses, gelegentliches Gehupe erschreckte uns. Ich hatte als Fahrer der Truppe Schwierigkeiten die Spur zu halten auf manchmal bis zu 10 Fahrbahnen in einer Richtung. Oft erkannte man die Fahrbahnmarkierungen auf den von den vielen Reifen blankgeputzten Plätzen nicht und begab sich in den Kurven in Gefahr gleich 3 Spuren vollgestopfter Autos neben sich zu schneiden. Auf jeder! Kreuzung mindestens ein Polizist, der vogelgleich versuchte durch lustiges Tirilieren auf seiner Trillerpfeife den Verkehr zu beeinflussen. Oft den Takt der zeitgleich funkelnden Ampeln entgegenwirkend, was wieder zu Huptiraden führte, da weiter hinten stehende Wagen den Sinn der Blockade nicht erkennen konnten, wohl aber die grüne Ampel am Firmament.

Das Hotel in Bucharest für Rumänien teuer aber guter Standard. Nicht allzuweit entfernt von der Altstadt, deren Besichtigung ein jeder Reiseführer anpries. Die Altstadt besteht ausschließlich aus einem unendlichem Gewirr von Caffee´s, Bars, Fressbuden und Sexshop´s. Mit Massage, eine Umschreibung einer Behandlung mit „Happy End“ und andere mit Table Dance also nur Kucken. Kneipen mal laut mal leise. Viele mit historischen Gebäuden, die liebevoll restauriert sind. Viele aber auch in runtergekommenen Zustand Marke: „Machen wir ne Markise dran, wenn die Leute einmal sitzen, sieht man den ersten Stock nicht mehr“. Heisst: im Erdgeschoss, also dem „Laden“ sieht alles toll aus, der erste Stock darüber ist marode und meist unbewohnt. Die Preise oft für rumänische Verhältnisse schon etwas teuer. Oft „normaler“ Preis und kleine Portionen. Unendliches Gewirr von unterschiedlichsten Menschen, die umherstreifen, wohin und woher auch immer. Anscheinend etwas suchend. Wenig Platz in den kleinen Gassen, die rechts und links vollgestopft sind mit Tischen und Stühlen jeweils nach Form und Farbe sortiert. Das Ganze gegen Abend mutiert zur fast unerträglichen Reizüberflutung durch kreischende Rockmusik aus der einen Ecke, schreiende Kinder, die zur Kneipentour anscheinend gezwungen werden, aber wohl lieber am heimischen Bettchen horchen würden. Schöne, feine Jazzmusik hier im Ohr, klappernde Einkaufswagen mit Nachschub für das Restaurant (Autos nicht erlaubt und möglich), geschoben von Männern mit bunten Hütchen mit lustigem Aufdruck wie „Delirium“.

Schönen Sitzplatz gefunden in einem etwas hippigen, bunten Caffee mit spritziger Kellnerin, die uns später eine Runde zuviel aufschrieb, was wir jedoch bemerkten. Eine schwarze Katze, die wohl zur Kneipe gehörte und keinen Schwanz mehr besaß, wurde unentwegt von Gästen gestreichelt, was wohl nichts miteinander zu tun hatte. Unsere Blicke schweiften von den unfertigen Fassaden oberhalb der Restaurants zu den oft langbeinigen, rumänischen Gazellen, die im unendlichem Geschiebe durch die Gasse kamen. Oft auf Stöckelstuhen, was die ohnehin schlanken Frauen zu ungeahnter Höhe aufschießen ließ. Gelegentlich etwas zu bunt aufgebrezelt. Aber, was für Unsereins ein „No-Go“ ist, scheint für einen Rumänen wie ein „Komm Blos Her!“ zu wirken. Geschmäcker sind wie immer … Die Frauen werden von meist kurzgeschorenen Kerlen verfolgt, die sich abmühten, ihre Beute nicht aus den Augen und den Fingern zu verlieren.

Herrenfriseur in Rumänien zu sein scheint nicht sehr schwierig, da anscheinend eine Millimeterangabe ausreicht, um die gewünschte Frisur zu beschreiben. Heute mal lang: 14 mm, ach, etwas weniger: 11 mm, machen sie es kurz: 9 mm. Um die Ohren sieht es bei jedem gleich aus. Wie einfach funktioniert die Welt, wenn sich alle verstehen…

(09.2014)


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