Kapitän Kirk und die Liebe

Also, ich weiß gar nicht, wie es dazu kam, dass Kapitän Kirk persönlich bei mir in der Küche saß. Ok, ich sage häufig mal so Sachen wie: „komm doch mal vorbei“, so im Sinne von: „wenn du Lust hast“ und zugegeben, das sage ich vielen Leuten, auch denen, die ich kaum kenne, oft ist oft nur so dahin gesagt. Und plötzlich klingelt es und da steht der wahrhaftige Kapitän Kirk vor meiner Türe mit zwei blankgeputzten Kampfschergen im Gepäck.

„Na ja“, sage ich, „dann komm mal rein, du Kirk, aber deine schwarzen Sheriffs, die kannste draußen lassen“. Ich wies auf seine schwarze Wachmannschaft.

„Die sind nur wegen der Nachbarn“, meinte er.

„Ach, Frau Krings nebenan, die ist doch harmlos“, erwiderte ich.

„Tja“, sagte ich etwas unsicher während wir im Flur rumstehen, „Mmmh, ´n Kaffee?“

„ÖÖÖÖÖhhhhhhhhhhh, Ja! Kaffee mit Milch, ja, aber mit fett-armer entionisierter Pseudorahmzentrimilch, ……… wenn’s geht!“, sagte er.

Wir gingen in meine kleine, nordeuropäisch eingerichtete Küche und er ließ sich auf einen meiner nordeuropäischen Küchenholzstühle plumpsen.

„Die Milch ist wegen meinem Magen. Nach Laserbeschuss auf Merlan 1“, sagte er.

„War das nicht Folge 125 ??“

„Mmmh,“ antwortete er wortlos, denn er bestaunte gerade meine stattliche Sammlung kleiner Matchboxautos in der an der Wand hängenden Vitrine.

„Vauxhall!“, sagte nach einer Weile.

„Was?“

„Vauxhall!“

„HÄ?“

„Vauxhall, so hieß der Laseraufsatz auf meinem ersten Ionenphotonentorpedo, den mir mein Vater geschenkt hat. Da war ich 6.“

„Ne, ne, ganz falsch, das ist ein Vauxhall Cresta aus dem Jahre 1958, ein A Modell von Lesney Toys, also Matchbox, was Streichholzschachtel bedeutet. Die sind aber dann am im Juni 1982 bankrott gegangen. Schade nicht?“

Kirk schaute mich an, wie ein Vauxhall Victor aus dem Jahre 1962.

Die Unterhaltung fing an zu stocken. Wir redeten aneinander vorbei.

Ich fragte ihn keck: „Sammelst du eigentlich auch irgendetwas, Kirk?“

„Laseraufsätze für Ionenphotonentorpedos von Vauxhall“, antwortete er während er weiter durch mich hindurch glotzte.

Schwierige Situation das! Wir drehten uns im Kreis. Ich versuchte die Situation zu retten. Vielleicht waren wir schon zu sehr im Detail angelangt.

„OK???? , jaha! …… Finde ich ja witzig, dass du mal bei mir vorbei schaust“, sage ich. „Echt! ….. Ähhh? Was wolltest du noch mal im Kaffee?“

„Fettarme, entionisierte Pseudorahmzentrimilch, ……. wenn’s geht“.

Ich hatte selbstverständlich keine fett-arme, entionisierte Pseudorahmzentrimilch, also ging ich mal eben um die Ecke und ließ Kirk alleine. Ich gab ihm eine Computerbild zu lesen damit ihm nicht langweilig wird. Mein griechischer Super-Freund Costa im Grillimbiss an der Ecke hatte fett-arme, entionisierte Pseudorahmzentrimilch und obendrein noch extra griechische.

Als ich zurück kam, war Kirk über der Rätselecke der Computerbild eingeschlafen. Ich dachte immer alte Leute brauchen nicht so viel Schlaf. Ich rüttelte ihn wach. Dann tranken wir Kaffee mit dieser komischen Milch, die wie Wasser aussah.

Mir war das direkt so komisch vorgekommen, das Costa, hämisch grinsend hinten in seinem Laden verschwand. „Ja ja, klar habe ich fett-arme, entionisierte Pseudorahmzentrimilch“, „ einen Moment, ich muss sie nur holen, die fett-arme, entionisierte Pseudorahmzentrimilch“, dann hörte ich den Wasserhahn im Klo von Costa laufen. Ich hätte es merken müssen! Ich hätte es merken müssen! Besonders als Costa 12 Euro für die kleine Flasche haben wollte auf der merkwürdigerweise ein kleiner Bär auf einem Berg abgebildet war. Ich hätte es merken müssen! Er hätte die Bärenmarkenflasche wenigstens ausspülen können für die 12 Euro. Aber ich war ja so in Eile.

Die Milch, wenn wir sie nun so nennen wollen, sah aus wie Wasser und schmeckte wie Wasser. Ohne, oder mit nur ganz wenig Geschmack.

Was soll´s. Kirk schien zufrieden. Trotzdem hatte der Kaffee ihn irgendwie kribbelich gemacht. Er erzählte und erzählte, ich glaube von Folge 37-46. Die kannte ich aber schon alle. Die Geschichte mit dem ca. 1,80 m großen Gummi-Dino, der alle verfolgte auf einem käsig, staubigen Planeten.

Dann wo Spock in ein Kuscheltier verwandelt wurde und alle seine Ohren streichen wollten.

Dann der Kochwettstreit auf Nanga 16, wo Kirk nur gewann, weil er 12 phlegmatische Septen zu einem Schock gefror. Also ehrlich, er langweilte mich ein wenig. Ich musste etwas unternehmen.

Ich log Kirk vor, noch dringend die Steuer machen zu müssen und schmiss ihn kurzerhand raus.

Wie ich später erfuhr, hat Kapitän Kirk schnurstracks bei Frau Krings nebenan geklingelt, hat vier Tage dort Kaffee gesoffen und die alte Unke später sogar geheiratet. Ich meine das wäre auf dem Planeten Barbados 4 gewesen, der für seine exzellenten Schönheitsoperationen bekannt ist. In Folge 6480.

Ich, auf jeden Fall lade jetzt niemanden mehr ein.

Bleibt bitte alle, aber auch alle, wo ihr gerade seit.

Danke.

(2010)


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